Krebs Nachhilfe für das Immunsystem

TETEROW, February 1, 2018 – Neuartige Zelltherapie soll Immunzellen in der Krebsabwehr schulen
TETEROW, 01. Februar 2018 – Tumore können im Körper oft nur deswegen wachsen, weil sie sich dem Zugriff des Immunsystems entziehen. Unsere Abwehrzellen könnten diese mutierten Zellen zwar beseitigen, allerdings tarnen diese ihre krebstypischen Eigenschaften und können so nicht entdeckt werden. In einem neuen Forschungsprojekt soll Immunzellen diese Fähigkeit zurückgegeben werden, indem ihnen die Merkmale des Tumors beigebracht werden. Forscher der Miltenyi Biotec GmbH und ihre Partner wollen so bessere Therapien für Patienten mit Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Projekt mit rund 6,4 Millionen Euro. 

Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Während die Therapien für Darmkrebs in den letzten Jahrzehnten effektiver wurden und die Prognose oft kein Todesurteil mehr darstellt, sind die Aussichten auf Heilung nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs nach wie vor äußerst gering. „Unser Vorhaben bietet die Chance, diese Therapiemöglichkeiten zu erweitern“, sagt Dr. Olaf Brauns, Projektleiter bei Miltenyi Biotec. 

Den Ansatz den Dr. Brauns und seine Kollegen der Universitätsmedizin Greifswald und Rostock verfolgen ist eine Variante der Zelltherapie. Eine Therapie, bei der das eigene Immunsystem so stimuliert wird, dass es erfolgreich gegen das Krebswachstum vorgehen kann. „Immunzellen erkennen und eliminieren mutierte Zellen im Normalfall und schützen den Körper so vor der Entstehung von Krebs. Wenn Tumorzellen dennoch wachsen, dann nur, weil sie einen Weg gefunden haben, diesen Schutzmechanismen zu entkommen“, sagt Dr. Brauns. Krebszellen verstecken sozusagen ihre Merkmale die sie als mutiert entlarven und unterdrücken so eine gegen sie gerichtete Immunreaktion.

Mit dem Forschungsprojekt PiCoP (Peptid-basierte Immunisierungsstrategien bei Darm und Bauchspeicheldrüsenkrebs) wollen die Forscher zunächst die Charakteristika der Krebszellen verstehen. Hierfür entwickelt Miltenyi Biotec einen neuen innovativen Prozess, mit dem die individuellen genetischen Veränderungen im Tumor eines Patienten identifiziert und mit modernen Methoden der Bioinformatik analysiert werden. Dafür werden Proben des Krebsgewebes entnommen und auf Mutationen im Erbgut untersucht. Anschließend werden mit diesen Informationen krebstypische Peptide hergestellt. Diese kurzen Proteinketten sind eine Art Täterprofil, mit denen Immunzellen lernen, wie sie einen Tumor angreifen können. 

Aus dem Blut des Patienten werden dafür sogenannte „Dendritische Zellen“ isoliert, die Schaltstellen des Immunsystems. Diese Zellen werden im Labor mit den krebstypischen Peptiden in Kontakt gebracht und vermehrt. Die Immunzellen nehmen die Peptide auf und lernen so die Eigenschaften des Tumors kennen. „Werden diese Zellen nun zurück in den Patienten gegeben, lösen sie dort eine starke Immunreaktion gegen den Tumor aus und zerstören so die Krebszellen wesentlich effizienter als zuvor“, sagt Dr. Brauns. Die beteiligten Universitätskliniken in Rostock und Greifswald führen anschließend eine erste klinische Studie mit Patienten durch, die an Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden. Außerdem erarbeiten sie eine umfangreiche Begleitforschung für die klinische Studie und entwickeln neue Analysemethoden, um den Wirkmechanismus der Therapie besser zu verstehen. 

Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Verbundvorhaben mit rund 6,4 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Auf einem Empfang am 1. Februar am Miltenyi Standort in Teterow, überreichte Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, den Förderbescheid an die Projektpartner. Für Stefan Miltenyi ist das auch eine Investition in die Zukunft. „Die Zell- und Gentherapie ist ein vielversprechender Ansatz für die Behandlung von Krebs. Wir freuen uns, dass das Ministerium uns und unsere Partner dabei unterstützt und Mecklenburg-Vorpommern einmal mehr seine innovationsfreundliche und zukunftsorientierte Politik beweist“. Die Forschung und Produktion der neuen Therapeutika wird in Teterow stattfinden, weswegen zusätzlich neue Arbeitsplätze entstehen werden. Bis 2022 hoffen die Verbundpartner auf positive Ergebnisse der Studien.


Über Miltenyi Biotec: 
Die Miltenyi Biotec GmbH ist ein global agierendes Biotechnologie Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern. Wir entwickeln, produzieren und vermarkten Produkte, die die biomedizinische Forschung vorantreiben und Zell- und Gentherapieprogramme unterstützen. Weltweit vertreiben wir Durchflusszytometer, Zellsortierer, Instrumente für klinische Anwendungen, Zellkulturgeräte, Reagenzien und Zellseparationstechnologien in über 100 Ländern auf fünf Kontinenten. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Immunologie, Stammzellbiologie, Neurowissenschaften, Krebs, Hämatologie, Graft Engineering und Aphärese sind die Basis für die hohe Qualität unserer Produkte. Miltenyi Biotecs Ingenieure, Wissenschaftler, Kliniker und Support-Teams setzen sich täglich für den Fortschritt in der Forschung und Klinik ein. Ihr multidisziplinäres Know-how ist die Grundlage für unsere Produktinnovation, langfristiges Wachstum und weltweiten Erfolg.

Kontakt: 
Miltenyi Biotec GmbH
Holger Bülow
Unternehmenskommunikation